Hanns Mutzbauers Buchbesprechung in dem Lokalteil der Ebersberger Zeitung (Münchner Merkur) vom 2. September 2010:

„Eine junge, ehrgeizige Frau sucht ihren Weg – den Karriereweg, der sie steil nach oben, nach ganz oben führen soll. Das ist die Spur, die von Autorin Alice N. York gelegt wird.

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Buchcover RichtungswechselDie im Großraum München lebende Schriftstellerin, die sich privat für wohltätige Zwecke einsetzt, entführt den Leser in eine Berufswelt, in der ohne Skrupel und Ellenbogenmentalität kein Blumentopf, geschweige denn eine Führungsposition zu gewinnen ist. In ihrem eben erst erschienenen Roman „Richtungswechsel“ gewährt die Autorin einen, wie von Glonner Verlagsseite betont wird, gewagt ehrlichen Blick hinter die Kulissen eines Technologie-Konzerns. Das ist teilweise starker Tobak.

Vor dem Hintergrund aktuell geführten Diskussionen um mehr Frauen in Führungspositionen, beschreibt Alice N. York Aufstieg, Stolperphase und Fall ihrer Heldin Alex. Die jungen Frau mit besten Referenzen wagt bewusst einen Sprung ins Haifischbecken. Der ihr angebotene Berater-Job in einem führenden Solar-Unternehmen scheint genau auf sie zugeschnitten – im wahrsten Sinne des Worte ein Traum-Job in einer von den Herren der Schöpfung beherrschten Szene. Ohne Fleiß kein Preis. Sie nimmt die Herausforderung an. Innerhalb kürzester Zeit strampelt sich die Romanheldin hoch, arbeitet sich in die komplizierte Technik ein und baut geschickt ein vielschichtiges Netzwerk zu Partnern und Interessenten auf. Die erste Sprosse auf der Karriereleiter ist damit getan.

Eine Frau steht ihren Mann – privat und im Beruf. Doch am Arbeitsplatz herrschen andere, besondere Regeln. Alex muss schnell erkennen: Im Beruf gibt es kein Wunschkonzert. Bei aller Begeisterung für die Entwicklung weitreichender Strategien und taktischer Umsetzung von Kundenprojekten wird sie schon bald mit Problemen konfrontiert, die einen Richtungswechsel erforderlich machen. Das Führungsteam, dem sie inzwischen angehört, lässt sie fallen. Zuviel Ehrgeiz ist ungesund, macht unbeliebt und gleichzeitig verdächtig. Alex, die auch mit privaten Problemen zu kämpfen hat, muss einen Kurs-, einen Richtungswechsel vornehmen, wenn sie nicht scheitern will.

Der Wahl-Münchnerin Alice N. York ist eine außerordentlich gute Beschreibung des Klimas am Arbeitsplatz gelungen. Eine Art Fallstudie zum Thema gleiche Chancen für alle – auch und besonders für Frauen. Einprägsame Charakterstudien und bewegende Erfahrungen „pflastern“ die Seiten, ohne dass sie pathetisch oder gar gekünstelt wirken. Die Autorin beschreibt die Realität. Kein abgedroschenes Geschwafel, sondern raue Wirklichkeit. Versöhnlich schließlich der Ausgang eines bemerkenswerten Romans, der vor allem den Frauen Mut geben sollte. Das Happy End nach 460 Seiten ist jedenfalls weder kitschig noch konstruiert. Auch das von der Autorin eingestreute Fach-Chinesisch dürfte auf den Leser keine abschreckende Wirkung haben. Da muss er durch.

Der lesenswerte Roman ist im Capscovil-Verlag Glonn erschienen. Es lohnt sich nicht nur durchzublättern, sondern den Weg der Romanheldin bis zum bittersüßen Ende zu verfolgen.“

„Richtungswechsel“, Capscovil Verlag, Glonn, ISBN 978-3-942358-00-2, auch erhältlich als eBook für alle gängigen Reader.

Von Hanns Mutzbauer

(mit freundlicher Genehmigung der Ebersberger Zeitung / Münchner Merkur Originalartikel )