Im Interview

Veranstalter der PriceCon in Bonn führten ein Interview mit Capscovil Gründerin, die auf der Startup Konferenz am 22.4.2017 Pricing-Strategien betrachtet
Glonn, 27. Januar 2017

Britta Muzyk-Tikovsky, Founder & Managing Director Capscovil„Habt Mut für Entscheidungen gegen den Trend“

Das INTERVIEW mit Britta Muzyk-Tikovsky führte Hanna Pütz am 20. Januar 2017

Britta Muzyk-Tikovsky hat eine Vorliebe für Peperonis, Technik und Literatur. Wie sie ihre Leidenschaften mit Capscovil vereint und was PriceCon-Besucher von ihr lernen können, erzählt sie im Blog-Interview.


Du hast 2009 das Unternehmen Capscovil gegründet. Was bedeutet dieser Name?

Das ist ein Wortspiel aus den Begriffen Capsaicin und Scoville. Capsaicin ist der Stoff, der die Peperoni scharf macht, der Schärfegrad wird in Scoville-Einheiten gemessen. Und weil mein Mann und ich scharfes Essen lieben und ich als Wirtschaftsingenieurin alles gerne messe, habe ich die Begriffe neu kombiniert zu Capscovil. Selbst Google kannte die Wortkombination in unserem Gründungsjahr noch nicht.

Fass‘ es mal in zwei Sätzen zusammen: Was ist das Besondere an Capscovil?

Wir untersuchen aktuelle Technologiethemen, besonders im Hinblick auf Nachhaltigkeit, und präsentieren sie auf neue Art, zum Beispiel haben wir für den Bereich Content Marketing eine neue Methode des Storytelling entwickelt, um Lösungen von Unternehmen auf unterhaltsame Weise darzustellen. Ausgewählten Themen widmen wir auch schon mal einen ganzen Roman, den wir in Eigenregie als unabhängiges Werk veröffentlichen.

Wie bist Du auf die Idee gekommen?

Ich war schon immer ein leidenschaftlicher Leser, das haben meine Eltern sehr gefördert. Mein Vater, ein Physiker, hat auch schon früh die Begeisterung für Technik bei mir geweckt, daher habe ich lange im Technologie- und Business Development Bereich gearbeitet. Dort bin ich immer wieder auf spannende Themen gestoßen, die meist aber nur einem kleinen Fachpublikum bekannt waren. Das wollte ich ändern. Mir war schon früh klar, dass ich irgendwann einmal etwas Eigenes machen will. Aus den beiden Sachen ist Capscovil entstanden.

Was macht Capscovil genau?

Wir entwickeln Strategien und Marketingkonzepte und erstellen Content, den wir als Verlag auch selbst veröffentlichen. Es geht immer um Technologie-Themen, die ich selber recherchiere. Mein Steckenpferd ist der Bereich Automotive, aber auch viele andere Themen wie IOT [Internet of Things]. Seit 2009 sind immer neue Ideen dazu gekommen. Erst gab es die Romane, bei denen wir Fakten mit fiktiven Geschichten kombinieren, dann Fachartikel, später entwickelten wir Konzepte und Kurzgeschichten. Daraus sind wieder neue Möglichkeiten entstanden. Über die Recherchen und Entwicklung von Marketingstrategien entstehen zum Beispiel viele Ideen für neue Produkte. Die könnten wir mit gründungswilligen Menschen umsetzen. Ich habe da schon einiges in der Schublade.

Wen willst Du mit Capscovil erreichen?

Verschiedene Zielgruppen. Einmal sind das Geschäftsleute, die zum Beispiel abends im Flieger sitzen und eben nicht die Financial Times lesen wollen, sondern mal einen Roman oder Kurzgeschichten, die aber auch Fachwissen vermitteln. Und dann die Endkunden. Bücher werden immer gelesen, und diesen Kunden liefern wir dann mit demselben Produkt eine spannende Geschichte, aus der sie neue Infos über ein Technik-Thema mitnehmen können. Bei der Positionierung kommt es da auf die Betonung an: Im B2B-Bereich vermarkten wir zum Beispiel den aktuellen Spionageroman als Info zu Elektroautos und IT-Security, verpackt in einer spannenden Story. Im B2C- Bereich heißt es dann eher: Es ist ein Spionage-Roman mit einer glaubwürdigen Verschwörungstheorie zu Elektroautos.

Und was für ein Preismodell nutzt du dabei?

Ebenfalls verschiedene. Das kommt auf das Produkt an. Die Romane werden ja von uns selbst finanziert. Der Buchmarkt ist hart umkämpft und unterliegt vielen äußeren Einflüssen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Da kann man nur bedingt Value Pricing machen. In anderen Bereichen wie dem Content Marketing kann man das schon anwenden. Da kommt es wieder ein bisschen auf den Kunden an. Wir arbeiten ja auch gerne mit Startups, deren Budget gerade am Anfang sehr überschaubar ist. Die Preisfindung ist also ein Mix aus verschiedenen Kriterien wie Zielsetzung, vorhandenes Budget, Umfang und weiteren zukünftigen Möglichkeiten.

Was können PriceCon-Besucher von Dir lernen?

Am Anfang steht eine Grundsatzentscheidung. Wer will ich sein, eher High Scalability Business oder Small Giant? Das ist eine der wichtigsten Entscheidungen, die ein Startup zu treffen hat. Wir selbst sehen uns als Small Giant. Es muss nicht immer Wachstum um jeden Preis sein. Ich denke, man kann auch im kleinen Bereich gesund und nachhaltig wachsen und trotzdem einen positiven Einfluss auf Umwelt und das soziale Umfeld haben. Das ist uns wichtig. In einem Nischenmarkt sind höhere Margen möglich als in einem hart umkämpften Massenmarkt. Doch auch, oder gerade aus einem Nischenmarkt heraus kann man später gut skalieren.

Wenn Du Dich selbst ankündigen würdest, was würdest Du sagen: Warum wird genau Dein Vortrag richtig spannend?

Aufgrund der Gegenüberstellung der zwei Vermarktungsstrategien und Beispielen für beide aus der Wirtschaft. Ich bin seit 20 Jahren dabei und habe viel Erfahrung mit großen Unternehmen und kleinen Startups sammeln können. Und ich will zeigen, dass man den Mut haben sollte, auch mal etwas gegen den Trend zu machen.

Was erwartest Du selber von der PriceCon?

Sehr viel spannende neue Kontakte, ich freue mich darauf, viele interessante Leute zu treffen. Was es heute alles für Möglichkeiten gibt, begeistert mich. Vor 20 Jahren gab es das noch gar nicht so oft, dass jemand sagt: Ich gründe mein eigenes Startup. Deshalb finde ich diese Zeit gerade super spannend. Weil es nämlich richtig viele Möglichkeiten gibt für junge Leute, sich selbstständig zu machen und zu gründen.

Hast Du eine abschließende Botschaft an die Ticketkäufer?

Unbedingt! Die Botschaft ist die: Gerade im Startup-Bereich führen das Marketing und Pricing oft ein Stiefkind-Dasein. Vor allem, wenn es um technische Produkte geht. Es ist aber ganz wichtig und ausschlaggebend, sich damit zu beschäftigen. Deshalb ist gerade die fokussierte Ausrichtung von der PriceCon super. Es gibt zwar viele Startup-Events, aber dass ganz speziell dieses Thema adressiert wird, ist selten. Das ist eine große Chance für Startups.

Mit freundlicher Genehmigung von PriceCon