Out-of-Office

Glonn, 22. April 2016

Am 21. April hatte die ÖDP in München zur Diskussionsrunde mit Schauspieler, Autor, Filmregisseur und Umweltaktivist Hannes Jaenicke eingeladen. Die Veranstaltung im Hörsaal der Hochschule der Philosophie war ausgebucht und gefüllt mit Menschen verschiedenster Couleur. Alt-Achtundsechziger mischten sich mit Studenten, Veganer und Tierschützer mit einfach nur neugierig Interessierten.

Schauspieler Hannes Jaenicke bei Podiumsdiskussion der ÖDP in MünchenDer charismatische Schauspieler ließ sich weder von kleinen, faktischen Ausrutschern des ÖDP Vize-Vorstand Klaus von Birgelen noch von unhöflichen Zwischenrufen aufgrund mikrofontechnischer Anlaufschwierigkeiten aus der Fassung bringen. Denn all dies ist im Vergleich zu seinen Hauptthemen allenfalls ein verwehtes Staubkorn im Wind. Hannes Jaenicke liegt viel mehr daran, seinen Beruf und seine gesellschaftliche Stellung zu nutzen, um auf Umweltthemen aufmerksam zu machen und Menschen zum Handeln zu motivieren. Denn Wut allein gegen die große Volksverarsche reicht nicht, wie der Bestseller-Listen gekrönte Buchautor meint. Jeder Einzelne kann in seinem Umfeld etwas bewirken, wenn er beim Konsum ansetzt und die Kontrolle über den eigenen Geldbeutel als Waffe gegen umweltverachtende Firmen einsetzt. Dabei ist der Filmregisseur sich selbst gegenüber schonungslos ehrlich und stellt seinen Aktivitäten auch die Auswirkungen auf die Umwelt gegenüber. Es gibt eben kein Schwarz und Weiß-Denken und für die Grauzonen ist es wichtig, ehrliche Fürsprecher zu haben.

Denn es geht um Themen, die die gesamte Menschheit angehen und die der Schauspieler zum einen über seine zwei aktuellen Bücher anschaulich anspricht: Klimaerwärmung, leergefischte Weltmeere und das unwiderrufliche Aussterben vieler Tierarten. Zum anderen setzt Hannes Jaenicke auf massentaugliche Filme, mit denen er auf Umweltthemen aufmerksam macht. Ein gutes Mittel dafür sind Tierdokumentationen mit denen man viel Aufmerksamkeit bekommen kann. Und Tierschutz ist auch immer Menschenschutz, da die Lebensräume Eingeborenenstämme ebenso betreffen. Eines der wichtigsten Ziele muss neben der Reduzierung des CO2-Ausstosses der Schutz des Regenwaldes sein. Noch heute wird 80 Prozent des abgeholzten Regenwaldes illegal geschlagen und unter anderem für Billigmöbel aus Teakholz von Ikea und ihresgleichen verwendet. Madagaskar ist bereits zu 96 Prozent abgeholzt, in Indonesien fallen riesige Gebiete neuen Palmölplantagen zum Opfer. Palmöl steckt in fast allem, was heute konsumiert wird. Ob in Lebensmitteln, Hautcremes, Lippenbalsams, Duschgels oder Waschmittel, ja selbst in Kerzen wird Öl aus der Wirtschaftswachstumswunderpalme verwendet. Da zeigen sich bei vielen Firmen dicke Dollarzeichen in den Augen.

Seit einigen Jahren wird Palmöl sogar als Futter für angeblich umweltfreundliche Blockheizkraftwerke verwendet. Grün ist anders. Das ist Greenwashing und zählt inzwischen zum Volkssport. Auch in Biodiesel steckt Palmöl. Bleibt zu hoffen, dass der Abgasskandal um Volkswagen und Co. sein Scherflein zur Reduzierung des Verbrauchs beiträgt. Denn das würde den richtigen Affen helfen: Orang Utans. Während diese unschuldige Tierart um ihr Leben bangt, stellt sich der Schauspieler die Frage, wieso anders geartete Verwandte wie beispielsweise ein Herr Winterkorn, der wissentlich Menschen in Ballungsgebieten vergiftet hat, noch auf freiem Fuß sind. Ein klares Indiz ist die Schwachstelle der Politik, der Lobbyismus.

ÖDP München Vorstand Thomas Prudlo, Vize-Vorstand Klaus von Birgelen und Schauspieler Hannes Jaenicke bei Podiumsdiskussion der ÖDP in MünchenEmotional wird Hannes Jaenicke auch, wenn er an tote Orca-Wale im Meer denkt, die auf Mülldeponien abgeladen werden. Die Tiere sind voll von Schwermetallen und Kunststoff und müssen aus der Nahrungskette entfernt werden. Viele haben inzwischen Bilder der gigantischen Müllteppiche aus Plastik in den Meeren gesehen. Doch der Schauspieler lamentiert nicht, er argumentiert und motiviert. Mit Lösungsvorschlägen. REDUCE, REUSE, RECYCLE. Was benötigt man wirklich zum Leben und um glücklich zu sein? Das ist die zentrale Frage. Bei wem kauft man was? Da hilft, sich gut zu informieren über das, was man benötigt. Beispielsweise über Zertifikate, die Auskunft darüber geben, wo und wie produziert wurde. Und zu wissen, was recycelt werden kann. Baumwolle aus Bekleidung gehört nicht dazu. Daher ist es wesentlich sinnvoller, für wenige, aber qualitativ hochwertige Kleidungsstücke mehr Geld auszugeben, als für T-Shirts von Kik und Konsorten. Billigware in jeder Hinsicht, die noch dazu unter menschenverachtenden Umständen produziert werden. Geiz an dieser Stelle ist weder geil noch gut. Der Schauspieler erzählt, dass er manche Kleidungsstücke, darunter auch einige der Marke Patagonia, schon seit über 20 Jahren hat und trägt. Das kauft man ihm ab.

Was er dem Vorstand der ÖDP Thomas Prudlo, der acht „grüne Märchen“ vorstellt, nicht ganz abkauft, ist unter anderem der Punkt, Elektroautos seien kein Ausweg aus der Mobilitätskrise. Der Schauspieler, der sich mit seinem Kameramann ein BMW i3 Elektroauto teilt, hält diese Kombination für eine gute Lösung. Hannes Jaenicke versucht in seinem Bereich Vorbild zu sein und ist sich bewusst, dass er im Fernsehen gegen Dieter Bohlen und Heidi Klum antritt. Kein einfaches Unterfangen, wie er insbesondere bei seinen Dokumentarfilmen „Im Einsatz für…“ festgestellt hat. Fast eineinhalb Jahre klapperte er alle Fernsehsender ab, um sie für die aus eigener Tasche vorfinanzierten Dokumentationen zu gewinnen. Zuspruch fand er letztlich im zweiten Anlauf beim ZDF, dem er sehr dankbar ist für die Zusammenarbeit. Größte Hemmschwelle waren zum einen die fast schon monopolistische Stellung der BBC, von der die meisten Sender Dokumentationen beziehen und zum anderen das seichte Programm der Privaten.

Schauspieler Hannes Jaenicke bei Podiumsdiskussion der ÖDP in München

Wie ein David gegen Goliath schwingt der Schauspieler die Fahne für mehr Bildung. Ein Bereich, in dem Deutschland seiner Meinung nach dringend Wachstum nötigt hat. Denn gute Bildung befähigt Menschen, sich mit Themen kritisch auseinanderzusetzen und Werbebotschaften zu hinterfragen. Gute Bildung ermöglicht es, mehr zu forschen – viele Tierversuche lassen sich inzwischen durch Computersimulationen ersetzen – und lässt Lösungen erkennen. In Bezug auf den Regenwald heißt das, Wiederaufforstung forcieren. Der Anreiz muss sein, die Gehälter der Menschen dort für Aufforstung höher zu setzen als für die Abholzung. Das geht über den Geldbeutel. Und das ist eine Waffe, auf die wir alle über unseren Konsum und die Wahl unserer Ausgaben Einfluss haben.

Informationen zu den Büchern von Hannes Jaenicke gibt es hier:

Die große Volksverarsche 

Wut allein reicht nicht.

Der Schauspieler ist auch auf Facebook zu finden

Press ContactBritta Muzyk-Tikovsky