Fachartikel

14. Oktober 2013

Erneut luden Daniel Campisi und Maximilan Costa am 14. September zusammen mit den Tourismusverbänden von Alta Badia und Val Gardena zu purem Fahrvergnügen rund um das Sella-Massiv in den Dolomiten ein. Dem alternierenden Turnus folgend war der Start- und Zielort der Tagestour dieses Jahr in Corvara, der Mittagsstop mit Präsentation der Fahrzeuge im Val Gardena fand in Wolkenstein statt.

Vierzig Fahrer waren dem Ruf der beiden Südtiroler mit ihrem sauberen Stromer gefolgt, ganz ohne Umwelt-Gewissensbisse ob der gemütlichen Ausfahrt. Viele Gäste aus Österreich, der Schweiz und Deutschland reisten am Tag zuvor an und nützten den Abend zu gemütlichen Treffen. Einige kannten sich von anderen Ausfahrten oder vom Jahr zuvor, andere wiederum waren zusammen mit Vertretern ihres Fahrzeug-Clubs angereist. Die Palette der teilnehmenden Fahrzeuge war ebenso vielfältig wie die farbenfrohen Lackierungen dieser. Dominiert wurde die rein elektrische Fraktion von Tesla Roadster und einem Tesla Model S Piloten, dicht gefolgt von den quirligen Meraner Think City Clubmitgliedern und mehreren Twike-Fahrern, die mit ihrem zusätzlichen Pedalantrieb einen Range-Extender samt eingebautem Trainingseffekt haben. Daneben reihten sich die Fahrer einzelner Renault Zoe und Kangoo, Mitsubishi i-Miev und Tazzari, zu denen sich ganz unerschrocken die zwei Besitzer der elektrischen EVT Roller gesellten. Unter den Hybriden, die neben der Batterie auch über einen Verbrennungsmotor verfügen, befanden sich verschiedene Toyota Prius sowie Chevrolet Volt beziehungsweise die baugleichen Opel Ampera. Ergänzt wurde die Parade von einem durch Wasserstoff betriebenen Bus, der damit früheren Unkenrufen der Unzulänglichkeit dieser Technologie in den Bergen entgegenwirken und gleichzeitig interessierten Passanten eine elektrische Mitfahrt anbieten konnte.

Hatten die Tesla Fahrzeuge am Abend zuvor noch die Stromversorgung mit ihrem hungrigen 32A Ladestrom an ihre Grenzen gebracht, blickten die Veranstalter am Samstagmorgen in zufriedene Gesichter des Teilnehmerfelds. Dank des engagierten Technik-Support vor Ort, der mit Unterstützung der Fahrer weder Mühen noch eine nächtliche Sonderschicht scheute, waren alle Fahrzeuge pünktlich zum Start geladen. Nach der offiziellen Begrüßung durch den Bürgermeister und Vertretern des Abgeordnetenhauses und Tourismusverbands Alta Badia verdeutlichten die Veranstalter ihr Anliegen: Gegenseitiges Lernen und Erfahrungsaustausch. Dies wurde prompt von den Teilnehmern angenommen, die nicht nur die unzureichende Absicherung allgemeiner Stromsteckdosen bei manchen Unterkünften bemängelten, sondern auch gleich entsprechende Reparaturmaßnahmen vorschlugen. Die Kritik an den Versorgungsmöglichkeiten für Gäste mit Elektrofahrzeug wurde von den Ortsvertretern sofort ernst genommen und Abhilfe bis spätestens zum nächsten Jahr zugesagt. So versöhnt machten sich die Teilnehmer nach dem Gruppenfoto auf, im Uhrzeigersinn die ersten drei Pässe der Sella Ronda zu erobern.

Auf dem Weg zur Mittagspause in Wolkenstein lagen Passo Campolongo, Passo Pordoi und Passo Sella. Viele Piloten nützten bei der gemütlichen Ausfahrt spontan die Gelegenheit, sich mit den teilnehmenden Kollegen bei einem Cappuccino auszutauschen. Wo lässt es sich noch trefflicher fachsimpeln als bei sommerlichen Temperaturen in traumhafter Kulisse? Bei einem ausgiebigen Mittagessen mit landestypischen Schmankerln, das prompt auf dem Fuße folgte.

Stop im sonnigen Wolkenstein

Stop im sonnigen Wolkenstein

Während die Fahrzeuge in der Sonne glänzten und für die interessierten Bewohner und Touristen am Nives-Platz Model standen, setzten die Fahrer ihre angeregten Gespräche fort. Gestärkt und mit einem herrlich herzhaften Menü im ansässigen Hotel verwöhnt, ging es zur zweiten Etappe der ECOdolomites. Aufgereiht wie auf einer bunten Perlenkette schlängelte sich die Parade über den Pass Gardena zurück nach Corvara, wo zum Ausklang der Veranstaltung bereits weitere Köstlichkeiten auf die Teilnehmer warteten. Vier glückliche Gewinner konnten sich bei der abschließenden Verlosung zusätzlich über großzügige Urlaubsgutscheine des Tourismusverbandes Alta Badia freuen.

Wie auch im Jahr zuvor, fand die vierte ECOdolomites bei strahlendem Sonnenschein statt, ganz so, als ob die Natur ihren Beitrag zum Ziel dieser Ausfahrt leisten wollte. Denn Einheimische wie wiederholt mitfahrende Teilnehmer gerieten bei der spektakulären Landschaft, die sich von ihrer schönsten Spätsommerseite zeigte, gleichermaßen ins Schwärmen. Neuzugängen stockte vor Verzückung gar fast der Atem. Und eben solche Gemütszustände sind notwendig, um die beindruckende Natur zu respektieren und langfristig zu schützen. Emotionen und Leidenschaft sind die besten Botschafter. Und diese kann das Dolomitengebiet dringend gebrauchen.

Teamfoto in Alta Badia

Teamfoto in Alta Badia

Mehr denn je kommen neben den vielen Skifahrern und Wanderern auch Urlauber mit Motorrädern in ihren Anhängern, um ihre freie Zeit mit Spaß-Fahrten durch das Dolomiten-Gebiet zu verbringen. Und wie überall ist nicht jeder davon ein rücksichtsvoller Fahrer, was sich in den jährlichen Unfallzahlen niederschlägt. Es sind die Geister, die der Tourismus rief. Im Buhlen um möglichst viele Urlaubswillige ist er in eine Zwickmühle geraten. Wie bei einem magischen Viereck verteilen sich der Wunsch nach Wirtschaftswachstum, Erfüllung der Kundenzufriedenheit, größtmögliche Flexibilität und Vergnügen jeglicher Art auf gegensätzliche Seiten. Und bei all dem gilt es, die wunderschöne Natur zu berücksichtigen und zu schonen, damit bei ihrem Anblick auch kommenden Generationen noch das Herz höher schlägt.

Sanfter Tourismus ist hier gefordert, wie das Foto der Think-Fahrer vor dem eindrucksvollen Langkofel nahelegt. Think while you drive – Denk nach, wie du hier fährst. Es geht nicht nur um einen rücksichtsvollen Fahrstil den anderen Straßenteilnehmern gegenüber, sondern auch der Natur gegenüber. Doch wie kann Elektromobilität dem Tourismus helfen, der doch höchste Ansprüche der heutigen Spaßgesellschaft zu erfüllen hat und gleichzeitig sanfter werden muss?

Möglicherweise als Teil eines zusätzlichen, speziellen Urlaubskonzeptes, das den allzeit vorherrschenden Wunsch nach dem Besonderen, dem Exklusiven erfüllt. Durch den Fokus auf das wohlhabende Klientel könnte die Basis geschaffen werden, um Elektromobilität im nächsten Schritt in die Breite zu tragen und fest im sanften Tourismus zu verankern. Denn es geht heute nicht nur darum, die bereits verfügbaren und attraktiven Einzelangebote, aus denen der Reisende vor Ort wählen kann, zu einem Packet zu schnüren. Sondern es geht auch um die Schaffung, Anpassung und Absicherung der nötigen Infrastruktur sowie der Einrichtung eines Fuhrparks an Elektrofahrzeugen. Hier ist ein Pilotprojekt gefordert. Eine Aufgabe für einen pfiffigen Projektleiter, der mit den unterschiedlichsten Parteien zusammenarbeitet: Tourismusverbände, Hotellerie, Einzelunternehmen wie Bio-Bauernhöfe, Veranstalter, Alpenvereine, Unesco. Zusammen mit deren Rückmeldungen kann das Konzept gestrickt und über finanzstarke Partner, die sich sicherlich bei den regionalen, nachhaltig denkenden Großfirmen finden lassen, umgesetzt werden.

Wie könnte so ein spezielles Urlaubspaket aussehen? Eine entspannte Anreise mit dem Zug nach Brixen oder Bozen und ab dort per Elektroauto-Shuttle zum Hotel, welches vorzugsweise bereits einen Teil des Energiebedarfs aus regenerativen Quellen bezieht. Für den exklusiven Geldbeutel könnten sicherlich auch Chauffeur-Fahrten von Städten wie München, Salzburg und Wien mit einem Tesla Model S arrangiert werden, bei denen der eventuell notwendige Ladestopp mit einem gemütlichen Cafe-Besuch verbunden wird. Der kulinarische Genuss kann wahlweise über Candle-Light-Dinner, Gourmet-Menüs oder Törggelenfreuden beim Bio-Bauernhof erzielt werden. Auf dem Tagesprogramm stehen neben den alpinen Freuden je nach Saison geführte Wanderungen, Pferdeausritte, Touren – natürlich elektrisch mit E-Bikes, Elektroautos oder -motorrädern – und sonstige sportliche Betätigungen wie Klettern oder der Geschicklichkeitstest im Hochseilgarten. Ergänzt wird der Urlaub mit Wellness-Angeboten und Abendevents wie Kochen und Kulturelles. Und warum nicht auch sogar einen speziellen Shuttle-Service zu regionalen Veranstaltungen in umliegenden Gebieten wie Dorf- oder Weinfesten anbieten? Mit so einem integrativen Konzept könnten mehr Touristen für Elektromobilität begeistert und zu Botschaftern gemacht werden. Doch wie kann man dem anderen Problem, der wachsenden Zahl an rücksichtlosen Motorrad-Touristen, die andere mit lauten Motoren und riskanter Fahrweise belästigen und gefährden, Herr zu werden? Solange Appelle an die Vernunft nicht greifen, muss über strengere Kontrollen diskutiert werden, die harte Strafen bis hin zur Fahrzeugkonfiszierung bei Wiederholungstätern beinhalten.

Neben aller Berücksichtigung des Tourismus darf auch der lokale Ansatz nicht vergessen werden. Hier geht die ECOdolomites mit gutem Beispiel voran. Eine Erweiterung der Veranstaltung um Testfahrten für Anwohner und Urlauber ist wünschenswert, denn für Elektromobilität begeistert man am besten, wenn sie persönlich erfahren wird. Abgerundet werden sollte das Engagement von örtlichen Initiativen zur Anschaffung und gemeinschaftlichen Nutzung von elektrischen Fahrzeugen – Car sharing auf lokaler Ebene.  Eine kleine Eco-Tagespauschale für Touristen, die für Besucher mit umweltschonenden Fahrzeugen entfällt, könnte in den Infrastrukturaufbau vor Ort einfließen. Bei über 20.000 Betten in den beiden Gebieten Alta Badia und Val Gardena sollte damit die ein oder andere Ladesäule finanzierbar sein.

 

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AutorBritta Muzyk