Fachartikel

01. Juni 2014

Die diesjährige CeBit stand ganz unter dem Motto „Datability“. Es steht für die Fähigkeit, aus der Unmenge an gesammelten Daten in Sekundenschnelle sinnvolle Informationen zu extrahieren und so eine Basis für kompetente Entscheidungen in unterschiedlichsten Bereichen zu schaffen. Gepaart wurde dieses Hauptthema – sicherlich auch aufgrund der Enthüllungen der letzten Monate  – mit einem starken Sicherheitsaspekt.

Schon länger haben sich IT-Größen in der Hard-, Software und Service-Landschaft wie EMC, IBM, Oracle, SAP, SAS, Teradata, T-Systems und Microsoft das Thema Big Data auf die Fahne geschrieben und nehmen dabei gezielt den Mittelstand ins Visier. Dies zeigt ein Projekt des Softwareriesen aus Redmond mit der Krones AG, dem Spezialisten für Getränkeabfüllmaschinen, der mittels Datenanalyse in Echtzeit Produktionsausfälle bei seinen Kunden vorhersagen und so Ersatzteile rechtzeitig auf den Weg schicken möchte. Doch nicht nur Schwergewichte tummeln sich in diesem entstehenden Markt, dem von der Experton Group für dieses Jahr ein Potenzial von knapp einer Milliarde Euro vorausgesagt wird.

In Halle 16 stellten 50 Start-ups, die Finalisten des Code_n Wettbewerbs, ihre Lösungen für die Analyse großer Datenmengen vor. Ein interessanter Service im Logistikbereich der Elektronikfertigung, der sowohl den Produktlebenszyklus von elektronischen Komponenten sowie deren tagesgenauen Preise berücksichtigt, stammt von der französischen Firma „precogs“. In dem äußerst volatilen Markt spielt die Verfügbarkeit eines Bauteils zum kleinsten Preis eine enorme Rolle. Rund 30 Prozent aller pro Tag benötigten Teile werden knapp oder fehlen und sorgen so für Bandstillstand, der wiederum teure Umrüstzeiten der Produktionslinie auf ein anderes Produkt bedingt. Die durchschnittlich kurze Lebensdauer der Elektronikkomponenten von etwa 18 Monaten spricht gegen hohe Lagerbestände. Precogs nutzt für seine Big Data Analysetechniken ein SAP Hana System, um die tagesaktuellen Teilepreise und Verfügbarkeiten der vom Kunden benötigten Standard-Bauteile in Echtzeit auszuwerten und so ein Kosteneinsparungspotenzial sowohl im Einkauf als auch bei den Produktionskosten zu realisieren. Interessenten können mit einer ersten, unverbindlichen Kostprobe bereits Geld sparen, bevor sie sich für eine Komplettanalyse, die als Erweiterung auch mit Webzugang für die tägliche Datenauswertung angeboten wird, entscheiden.

Cebit_precogs

Adrien Sandrini, CEO und Lamar Williams, CMO, CeBit 2014

Ein anderer Ansatz im Bereich Konstruktion und Herstellung stammt aus Berlin. Die  Sablono GmbH hat sich zum Ziel gesetzt, die Termingenauigkeit von der Planung bis zur Fertigstellung von Gebäuden zu erhöhen. Dies geschieht über die Verknüpfung von Herstellprozessen mit detaillierten virtuellen 3D Modellen. Hierzu wird ein CAD-3D-Modell vom Bearbeiter im System in Bauteile gerastert, die mit Prozessvorlagen, in denen das Standardherstellungsverfahren eines typischen Bauteils hinterlegt ist, verknüpft werden. Die Bestimmung der Dauer für die einzelnen Prozesse kann vom Nutzer anhand von Arbeitsaufwand und Menge definiert oder aber von zuvor bearbeiteten Projekten abgeleitet werden. Nach der Festlegung von Abhängigkeiten der Herstellung einzelner Bauteile – z.B. kann eine Decke erst dann verschalt werden, wenn Leerrohre verlegt sind und das Material für die Verschalung bestellt wurde – ergibt sich ein Terminplan, der um den Faktor 1000 granularer ist als herkömmliche Terminpläne in der Gebäudeerstellung und somit ein genaueres Controlling zulässt. Der Zugriff auf den Bauplan über mobile Endgeräte ermöglicht eine zeitnahe Anpassung des Baufortschritts und erhöht fortlaufend die Genauigkeit. Laut Sablono ist eine Erweiterung ihres Systems auf andere Branchen neben dem Baugewerbe geplant, in denen das fertige Produkt ein Unikat ist, seine Bestandteile jedoch standardisierbare Komponenten sind.

Dieser Artikel wurde auch im Magazin ke-next (verlag moderne industrie – Mediengruppe des Süddeutschen Verlag) veröffentlicht.

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AutorBritta Muzyk