Aufs Spiel gesetzt

Eine fiktive Geschichte über aktuelle Technologie-Themen mit echten Vorbildern.

Von Alex Ruby [~ 10-15 min]

Aufs Spiel gesetzt - The Strip - Kurzgeschichte - Short Story - Project Cascabella - Running Choke

Es war eine Kooperation mit der Polizei gewesen. Natürlich war sein System nur parallel im Hintergrund zum herkömmlichen Notrufsystem gelaufen. Als ein Hilferuf bei den Beamten einging, wurde dieser gleichzeitig vom System analysiert und bearbeitet. Ein Mann und sein kleiner Sohn waren nach einem Unfall in ihrem Auto eingeschlossen. Rauch qualmte aus der Motorhaube. Es roch nach verbranntem Plastik. Der Junge schrie im Hintergrund vor Angst. Beide konnten gerettet werden, allerdings mit schweren Verbrennungen. Das hätte verhindert werden können. Nicht von dem menschlich gesteuerten System, das perfekt nach Vorgabe agiert hatte, sondern von Benedikts computergestütztem System. Wenn es präzise funktioniert hätte, wären die beiden schneller gerettet worden. Denn wozu sonst wäre es gut, einen Teil der menschlichen Arbeit von Maschinen erledigen zu lassen?

Bei zwei entscheidenden Dingen hatte das System versagt. Das eine war die Erkennung der Verfassung, in der sich der Mann im Auto befand. Anhand von Lautstärke, Betonung, Rhythmus, Stimmlage und Antwortstruktur hätte das System die Brisanz ermitteln müssen. Erschwerend war hinzugekommen, dass der Mann Autist war und wortkarger reagierte als erwartet. Das andere waren die zu ergreifenden Maßnahmen. Es wäre zwingend notwendig gewesen, bei Eingang des kurz darauf folgenden zweiten Notrufs, der dem Feuer in einem Ingenieurbüro galt, die örtlichen Rettungsmannschaften entsprechend ihrer Fähigkeiten auf die Unfallstellen aufzuteilen. In dem Team, das den Brand im Ingenieurbüro bekämpfte, war eine junge Frau, die den Rekord im Aufspreizen von Autotüren hielt. Sie wäre in der Lage gewesen, dem anderen Rettungsteam und damit dem Mann und seinem Jungen wertvolle Sekunden zu verschaffen.

Die Idee zu seinem System hatte Benedikt, als er von jemandem las, der Twitter-Nachrichten daraufhin untersucht hatte, ob frisch getrennte Paare nach erhöhtem Alkoholkonsum versöhnlicher gestimmt waren. Er aber wollte über die Stimmungsanalyse etwas Sinnvolleres schaffen. Daher war sein System zur Unterstützung der Notrufleitstelle bei Katastrophen wie Großbränden, Unwetter und Erdbeben oder Terroranschlägen gedacht, um nicht nur schneller und effektiver reagieren zu können, sondern auch Massenpaniken wie bei großen Festivals nicht erst entstehen zu lassen. Die größte Suchmaschine Chinas wertete bereits Nutzerdaten aus, um Massenpaniken vorherzusagen. Von den 657 Millionen registrierten Personen nutzten 302 Millionen den Kartendienst, woraus entsprechende Bewegungsmuster abgeleitet wurden. Nach dem missglückten Live-Test war Benedikt in ein ziemlich tiefes Loch gefallen. Er war normal kein Kind von Traurigkeit und auch Herausforderungen konnten ihn nicht so leicht aus dem Konzept bringen. Doch sein aussichtsreichster Investor war sofort abgesprungen, sein Angel-Investor ein paar Wochen später. Das war es dann mit dem erhofften Funding.

Letzte Reserven

Es war schwer abzusehen, wann das System so weit entwickelt war, dass er einen neuen Live-Test versuchen konnte. Dafür gab es verschiedene Gründe. Die Programmierung der Algorithmen für die Sentiment-Analyse gestaltete sich schwieriger als gehofft, denn die Auswertung der Kriterien, die die Stimmung eines Anrufers beeinflussten, war extrem komplex.

Sein führender Entwickler hatte sich von einem anderen Startup, das mit seinem Predictive Maintenance Tool angeblich gerade den vielbeschworenen Hockeystick hochkatapultiert wurde, abwerben lassen. Und er suchte immer noch nach einem System, um die enorme Menge an Wissen strukturiert bereit zu stellen, damit im Notfall schnell darauf zugegriffen werden konnte. Die Fähigkeiten und Erfahrungen aller Rettungskräfte waren über viele Dokumente und Einsatzberichte verstreut. Das aktuelle Spracherkennungssystem setzte auf das Open-Source-Programm eines IT-Konzerns, der eine cloudbasierte Variante anbot. Diese hatte sich problemlos in den Entwicklungsprozess mit den ebenfalls in der Cloud liegenden Datenspeichern integrieren lassen. Allerdings fehlten ihm jede Menge Stimmmuster zur Auswertung.

Seine Ausgangslage war mehr als prekär. Er brauchte Geld. Dringend. Er hatte alle abgeklappert, die er kannte. Familie, Freunde, Freunde von Freunden. Jeden in der Startup-Szene, der ihm eventuell Zugang zu weiteren Geldgebern verschaffen konnte. Doch vergeblich. Seine Idee wurde zwar hoch gelobt, war jedoch nicht kurzfristig skalierbar und dafür gab es gerade kein Geld. Alle waren in Goldgräberstimmung und wollten das nächste Unicorn finden, um schnell Kasse zu machen. Dabei hätte sein System tatsächlich das Zeug dazu. Sein letzter Strohhalm war eine Studienkollegin, die nach dem Besuch des Burning Man Festivals in der neuen Steueroase Nevada hängen geblieben war und die ihm dort ein paar Türen öffnen wollte. Maxine, von allen nur Max genannt, arbeitete für eines der schillernden Startups in Las Vegas, die sich intensiv mit maschinellem Lernen und natürlicher Spracherkennung beschäftigten, um Autos das selbständige Fahren beizubringen. Benedikt hatte seine letzten Reserven zusammengekratzt und mit den verbliebenen Meilen seiner Frequent Traveller Card einen Flug nach Sin City gebucht.

Schon beim Abflug in München schien ihm die Glücksfee den Rücken zuzukehren. Sein Flug war ersatzlos gestrichen worden. Alle Passagiere der ausgebuchten Maschine wurden an vollkommen überlasteten Schaltern auf andere Flüge verteilt. Nachdem er einen Tag später in Las Vegas gelandet war, musste er feststellen, dass es sein Koffer nicht geschafft hatte. Wenigstens hatte er in seinem Handgepäck neben Laptop und Ladekabeln ein Notfall-Set. The Strip Short StoryEs gab Schlimmeres, dachte er und ließ sich von der guten Laune eines deutschen Paars, das neben ihm Vorfreude auf die glitzernde Stadt der Spieltische versprühte, anstecken.

Als er aus dem Flughafen ins Freie ging, schlug ihm die trockene Mittagshitze entgegen. Doch die unzählig sprießenden Schweißtropfen verdampften sofort wieder im eisigen Gebläse des Shuttle-Busses und ließen eine dünne Salzschicht zurück. Das gleiche Wechselbad ereignete sich bei seiner Ankunft im Hotel. Erschöpft und fröstelnd ließ er sich im Zimmer auf das Bett fallen. Wenigstens ein Traum war wahr geworden, als er die überdimensionale Gitarre gesehen hatte und auf dem Weg zum Aufzug an Glasvitrinen mit unzähligen Exponaten seiner persönlichen Helden vorbeigegangen war. Denn Benedikt war nicht nur Firmengründer und IT-Spezialist, er war auch leidenschaftlicher Gitarrist einer Rockband.

Das vereinbarte Treffen mit Max war ins Wasser gefallen. Max musste kurzfristig ihren Chef zum Hauptinvestor der Firma nach China begleiten. Die Finanzierung des neuen Entwicklungs- und Produktionsgebäudes, dessen Spatenstich im Norden von Las Vegas erst kürzlich erfolgt war, stand auf der Kippe. Es ging um Millionen staatlicher Subventionen, die es zu sichern galt und mit denen man sich im als Gegenspieler zu Tesla positionieren wollte. Max hatte aber versprochen, einige ihrer Kontakte anzurufen, ob sie auch ohne ihre Anwesenheit zu einem Treffen bereit wären. Benedikt versuchte, etwas zu schlafen. Er erwartete nicht, dass sich innerhalb der nächsten Stunde viel tun würde.

Plötzlich schreckte er hoch. Er konnte nicht sagen, was ihn geweckt hatte. Außer dem leisen Summen der Klimaanlage war nichts zu hören. Durch die dicken Thermofenster drang kein Laut der fünf Stockwerke unter ihm vorbeifahrenden Autos hoch. Er fühlte sich immer noch wie gerädert. Die Nachricht auf seinem Handy half nicht, um seine Stimmung zu heben. Max hatte zwei Absagen bekommen und wartete noch auf Antwort eines dritten Kontakts, den sie jedoch als sehr unzuverlässig beschrieb. Benedikt fühlte sich, als würde das Pech an ihm hängen wie Federn am Teer. Doch Trübsal blasen half nicht weiter. Immerhin war er in Las Vegas und seine Software konnte einen Tag ohne Programmierung auskommen. Er stand auf und duschte ausgiebig. Der Geruch der Limetten-Kokosnuss-Seife vertrieb seine Niedergeschlagenheit. Wenn er schon in der glitzernden Welt des Glückspiels war, dann würde er sich wenigstens den Strip ansehen. Außerdem hatte er Hunger.

The Strip Short Story Bellagio Las VegasDas Hotel lag etwa vier Blocks vom lebendigen Treiben des Las Vegas Boulevards entfernt. An der gegenüberliegenden Straßenecke lockte vermeintliche bayrische Gemütlichkeit, doch Vegetarier wie er würden dort nicht viel zu essen finden. Außerdem bevorzugte er das heimische Original, selbst wenn hier das Bier aus Bayern eingeflogen wurde. Die Bewegung tat ihm gut und die Hitze hatte ein wenig nachgelassen. Auf dem Strip ließ er sich in dem Strom von ausgelassenen Touristen Richtung Norden treiben. Unterwegs kaufte er sich einen Spinat-Käse-Wrap und Vitaminwasser, was er hungrig auf einer Bank vor dem Eiffelturm verschlang. Gegenüber am Bellagio versammelte sich bereits eine Menschenmenge. Er schloss sich an, um das Wasserspektakel zu genießen. Fast jeder Zweite filmte mit seinem Handy.

Die Show war auch beeindruckend. Wie viel Geld wurde allein dafür ausgegeben? Die Einstellung von 1200 Wasserdüsen musste mit 4500 Lichtern synchronisiert werden. Sicher konnte das Bellagio eine ganze Riege von Programmierern und Designern beauftragen, die immer wieder neue Varianten entwickelten. Wenn er doch nur einen Bruchteil von deren Budget hätte. Hunderttausend würden ihm fürs Erste reichen. Vielleicht sollte er sich an einen der Spieltische setzen? Wenn sich seine Mathematikkenntnisse nur mit einem Quäntchen Glück paaren ließen, um die gesetzten Gewinnchancen auszuhebeln. War er schon so verzweifelt? Nein, entschied er. Bei dem herrlichen Wetter zog ihn nichts in das Innere der Casinos. Er ging weiter. Die Piratenshow des Treasure Island einige Blocks weiter nördlich schien es nicht mehr zu geben und der Anblick des Stratosphere von weitem genügte ihm. Er wechselte die Seite und machte kehrt, denn das weltberühmte Willkommensschild am anderen Ende des Strips wollte er an seinem ersten Tag unbedingt noch sehen.

The Strip Short Story The Venetian Las VegasAm Venetian blieb er für einige Augenblicke auf der Rialto-Brücke stehen und sah den Gondeln zu, wie sie im Inneren verschwanden. Ein Mann hinter ihm fluchte. Die Erregung war deutlich in seiner Stimme zu hören. Emotionen wie diese, aber auch Gleichgültigkeit, Langeweile oder Aufregung, konnte Benedikt mit seinem System bereits in Grundzügen erkennen. Selbst den Grad an Traurigkeit, Freude oder Aggression. Allerdings gab es je nach Land, ethnischer Herkunft, Alter und Geschlecht große Unterschiede. Ganz zu schweigen von Akzent oder Dialekt. Um all diese Facetten eindeutig zu identifizieren, brauchte man eine riesige Datenbank mit Millionen von Stimmmustern. Interpol erhielt gerade von der EU eine satte Förderung, um eine globale Stimmdatenbank aufzubauen. Aber Interpol als Partner war für ihn momentan eine Nummer zu groß. Außerdem ging es denen um die Identifizierung von Personen, ihm um deren Emotion. Das war datenschutzrechtlich ein riesiger Unterschied. Wie sollte er so eine Datenbank nur aufbauen?

Auf einmal entdeckte er in einer der Gondeln das Pärchen, das morgens so fröhlich neben ihm am Gepäckband des Flughafens gestanden hatte. Die junge Frau mit ihrem großen, schwarz-weißen Hut und dunkler Sonnenbrille hätte einem Spielfilm mit Sophie Loren entsprungen sein können. In der Hand hielt sie ein Glas Wein. Sie sah nicht aus, als ob sie sich große Sorgen um ihre Zukunft machte. Ihr Mann auch nicht. Sie genossen beide einfach den Moment. Gerne würde er mit ihnen tauschen. Bei der Stimmanalyse gab es noch einen weiteren Punkt: zu erkennen, wie eine Person über das Gesprochene dachte. Benedikt fiel sein italienischer Kumpel ein. Wenn dieser mit seiner Mutter telefonierte, schienen sie sich immer bis aufs Blut zu streiten. Aber der Schein trügte.

Jemand drückte ihm eine Karte in die Hand, doch selbst wenn es schon fünf Uhr war, ließ er sich nicht zu einem Drink in Margaritaville verführen. Auch die Achterbahn über den Dächern von New York konnte ihn nicht locken. Noch nicht. Das bunte Treiben färbte langsam auf seine Stimmung ab und Benedikt schöpfte Hoffnung. Alles wird gut, sagte er sich. Irgendwie. Vielleicht würde er später wirklich sein Glück beim Roulette versuchen. Hundert Dollar könnte er einsetzen. Ein bisschen Spaß musste doch auch sein. Das Excalibur versprach ein gutes Omen und das Mandala Bay reflektierte majestätisch die sinkenden Sonnenstrahlen wie zur Bestätigung.

Nach all dem Pech stand ihm etwas Glück zu, oder etwa nicht? Er reihte sich geduldig in die Schlange der Wartenden ein für das bereits millionenfach verbreitete Foto. Schräg gegenüber bemerkte er eine Niederlassung des wohl berühmtesten amerikanischen Motorradherstellers. Während er wartete, sah er, wie mindestens zehn Maschinen mit unverkennbarem Brummen die Stadt in Richtung Freiheit verließen. Eines Tages, sagte er sich.

„Könntest du ein Foto von uns beiden machen? Allein bekommen wir das Schild sicher nicht ganz drauf“, riss ihn die Frage einer Frau hinter ihm aus seinen Gedanken. „Wir machen auch eins von dir.“ Es waren die beiden aus der Gondel. Die Tatsache, dass sie keinen Selfie-Stick besaßen, machte sie noch sympathischer. Das Paar stellte sich als Annette und Donald aus München vor. Die Welt war ein Dorf. Was für ein Glücksfall das Treffen mit ihnen war, fand er bei einem gemeinsamen Abendessen heraus. Annette und ihr Mann waren beide Informatiker, sie hatte in Donalds Heimatstadt Edinburgh und er an der Universität von Paisley promoviert. Vor zwei Jahren waren sie dann nach Bayern gezogen, nachdem sie bereits eine Firma gegründet und erfolgreich verkauft hatten.

Aufs Spiel gesetzt - Kurzgeschichte Role Model Annette Leonhard-MacDonaldIhr Spezialgebiet: Big Data und Maschine Learning. Gerade arbeiteten sie an ihrem zweiten Startup, einer Fin-Tech Firma, die ihre Software als Dienstleistung anbot. Es ging um die Echtzeit-Analyse von Finanz- und Versicherungsdaten, um über selbstlernende Risikomodelle genaue Vorhersagen und entsprechende Entscheidungen zu ermöglichen. Viele Firmen, nicht nur im Finanzbereich, verarbeiteten ihre Daten noch per Excel. Ein antiquiertes Vehikel, dessen Erstellung und Pflege sehr zeitintensiv war und veraltete Ergebnisse lieferte. Noch dazu wuchsen solchen Systemen die heutigen Unmengen an Daten auch über den Tabellenrand. Wichtige Informationen gingen unter und erschwerten sinnvolle Entscheidungen. Benedikt musste an seinen Entwickler denken, der genau aus diesen Gründen zu dem Startup gewechselt war und sich jetzt um Vorhersagen von Wartungsfällen kümmerte. Eine Goldgrube bei Investitionsgütern.

Donald war ein eher schweigsamer Typ, ähnlich wie ein anderer Schotte, den Benedikt kannte. Dafür sprach er aber ein bemerkenswertes Deutsch. Annette hingegen war die geborene Netzwerkerin, die mit ihrem Lachen und offenen Wesen schnell Freunde gewann. Deswegen hatte sie auch die Vorstellung ihres Firmenkonzepts bei diversen Startup-Wettbewerben übernommen. Gekrönt wurde ihr Erfolg von dem Sieg bei dem Münchner Incubator, der sich auf InsurTech spezialisiert hatte und auf dem Gelände der Kultfabrik auch einen Coworking-Space anbot. Denn künstliche Intelligenz war ein sexy Zug, auf den viele aufspringen wollten, erzählte sie lachend. Besonders, wenn er von Forschern mit Gründungserfahrung ins Rollen gebracht wurde. Pitchen war nicht unbedingt Donalds Ding. Er war der Architekt und Spezialist, der die Konzepte in die Praxis umsetzte, das System programmierte und Schnittstellen zu allen nur erdenklichen Datenformaten schaffte. Mit Datenschutz und den Sicherheitsaspekten hatte er sich besonders intensiv auseinandergesetzt und eine Methode entwickelt, bei der Betrugsversuche durch die Analyse der vorliegenden Daten, die zusätzlich mit weiteren Variablen aus anderen Quellen des internen Systems angereichert wurden, sicher entdeckt und verhindert wurden. Als er von der Bedienoberfläche erzählte, über die auch automatisch generierte Reports eingesehen werden konnten, blitzte schüchterner Stolz in seinem Gesicht auf.

Die Zeit verging wie im Flug und nach ein paar Drinks kam es ihnen vor, als kannten sie sich schon ewig. Es gab solche Menschen, bei denen sich schnell dieses Gefühl einstellte. Da spielte auch der Altersunterschied keine Rolle. The Strip Short Story Running Choke BandUnd es lag nicht an den beruflichen Gemeinsamkeiten. Die beiden interessierten sich nicht nur für seine Firma, sondern auch für seine Band. Die sichtbare Anerkennung tat ihm gut, als er von den Studioaufnahmen in dem bekannten 4th Street Recording Studios in Santa Monica erzählte.

Ein lokales Label hatte seine Band eingeladen, nachdem es durch den europaweiten Release von „Feels like Heaven“ auf sie aufmerksam geworden war. Dass die Gesangslehrerin ihres Sängers den vier bayrischen Jahreszeiten die Sonne von Malibu vorgezogen und dort neue Kontakte geknüpft hatte, war sicherlich ein weiterer Einflussfaktor gewesen. Er erinnerte sich an das innere Kribbeln, das er bei den Gigs in den ausverkauften Clubs vor den Toren Hollywoods gehabt hatte. An die Gruppe aufgeregter Asiatinnen, die kreischend die Bühne gestürmt hatten. Oder an das Rap Battle ihres Bassisten mit einer DJane. Diese Momente konnte ihm niemand nehmen. Es erschien ihm heute genauso aufregend wie damals. Das war es auch, was ihn mit Annette und Donald verband. Die Begeisterung, einen Traum oder eine Idee in die Wirklichkeit umzusetzen.

Weit entfernt von Begeisterung war Benedikt am nächsten Morgen, als er in seinem Hotel um eine Nacht verlängern wollte. Sie verlangten das Dreifache von dem, was er bei der Reservierung aus Deutschland gezahlt hatte. Flexibilität hatte ihren Preis. Genau gegenüber gab es ein günstiges Motel. Wenn man dem „Gerücht“ glauben konnte, hatte es keine allzu schlechten Bewertungen bekommen. In zehn Minuten war er umgezogen. Gerade rechtzeitig, denn Annette und Donald luden ihn spontan zu einem Ausflug in die Umgebung ein. Benedikt hörte auf sein Bauchgefühl und sagte zu.

The Strip Short Story Hoover Dam

Auf dem Weg nach Lake Mead beschloss Benedikt, sich den beiden restlos anzuvertrauen. Die Idee hinter seiner Firma kannten sie bereits: Sprachanrufe nach Inhalt und Dringlichkeit analysieren, in exakt beschreibenden Text umwandeln und mit verschiedenen Wissensdatenbanken verknüpfen, um dann automatisch die besten Ressourcen auf die jeweilige Aufgabe in einem Projekt anzusetzen. Annette und Donald fanden die Idee klasse, wussten aber nicht, wie es um seine Firma wirklich stand. Benedikt überlegte nicht lange. Hatte er mit dieser Reise bereits seine letzten Ressourcen aufs Spiel gesetzt, so konnte er diesen Schritt auch noch wagen. Am Hoover Dam leuchteten ihnen die erschreckend niedrigen Wasserpegel entgegen, die Benedikt zu allem Überfluss an seine finanzielle Lage erinnerten. Er ließ kein Detail aus. Es stellte sich heraus, dass er keine bessere Entscheidung hätte treffen können. Donald fiel sofort eine Firma ein, die sich mit der Stimmungsanalyse von Sprache beschäftigte. Sie konnten verschiedenste Details aus der Stimmlage definieren. Ob der Anrufer das Gesagte gut oder schlecht fand. Ob er entspannt, angespannt oder kurz vor dem Herzinfarkt war. Ob er depressiv, gefasst oder aggressiv war. Diese Firma konnte über das Zusammenspiel verschiedener Faktoren genau bestimmen, in welcher Verfassung sich der Anrufer befand.

The Strip Short Story Las Vegas Red Rock Canyon

Während der anschließenden Wanderung im Red Rock Canyon erfuhr er, dass Annette vor zwei Jahren eine Community für Gründerinnen in der Technologiebranche ins Leben gerufen hatte. Inzwischen war die Community stark gewachsen und auf Verbreitung des Diversity-Gedanken ausrichtet. Annette war auch bei einem der größten IT-Konzerne als Mentor für den weiblichen Teil der externen Entwicklergruppe in München verantwortlich. Sie war also bestens vernetzt und kannte ein Startup, das alle vorliegenden Informationen durchforstete und analysierte, so dass die Fähigkeiten und Erfahrungen von Personen in einer Datenbank strukturiert wurden. Damit konnten Firmen oder Organisationen bei neuen Projekten nicht nur sofort das notwendige Expertenwissen, sondern auch die richtigen Ansprechpartner finden. Das System schaffte Transparenz, minimierte Fehler und sparte Zeit ein. Genau das, was Benedikt für sein System brauchte, um Menschenleben retten zu können.

Zwei seiner Technikprobleme schienen damit einer Lösung näher gerückt. Fehlte noch das Wichtigste. Das Kapital. Die Glücksfee schien sich ihm wieder zugewandt zu haben. Zurück in Las Vegas beschloss er deshalb, seine letzten hundert Dollar aufs Spiel zu setzen. Er zog vom Bellagio über das Venetian und Harrah’s weiter zu Bally’s und Paris. Doch an den meisten Roulette-Tischen galt ein Mindesteinsatz von fünfzehn Dollar. Das war ihm zu hoch. Mit jedem weiteren Casino sank sein Spieldrang. Auf dem Weg zurück zu seinem Motel blieb er vor dem Hard Rock Hotel stehen. Die letzte Chance. Es war nach Mitternacht. Nur noch ein Roulette-Tisch war besetzt. Zehn Dollar Mindesteinsatz. Also hatte er mindestens zehn Versuche. Er setzte auf die 23. Wieder und wieder. Aber sie kam nicht. Er setzte eine Runde aus. Die 23 fiel. Und Benedikt ging. Um wenigstens die letzten Dollar richtig zu investieren.

The Strip Short Story Las Vegas RumorAn der Bar war nicht viel los. Ein Bier, dann würde er schlafen gehen, bevor es am nächsten Tag wieder zurück nach München ging. Doch es sollte nicht bei einem Bier bleiben. Neben ihm saß der Eventmanager des Hotels. Dieser hatte früher selbst in einer Rockband gespielt und ein Faible für Newcomer. Westcoast-Sound mit ein paar Heavy Riffs kam bei ihm besonders gut an. Am nächsten Morgen zog Benedikt vom Motel zurück ins Hotel. Er schrieb die beiden Kontakte von Annette und Donald an. Die Firma, deren Spezialität die Emotionsanalyse war, rief postwendend zurück und setzte einen Termin mit ihren Entwicklern auf. Dann buchte er seinen Rückflug um und rief seine Bandkollegen an. Die Aufregung war groß. Am Nachmittag war die Ankündigung bereits online. Das Blatt hatte sich gewendet und das war mehr als ein Gerücht.

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2017-09-07T08:30:33+00:00